GO wirkt in Betrieben nachhaltig und positiv

Tagungsrückblick: GO – Förderung der Grundkompetenzen von Erwachsenen, 23. Juni 2015 in Biel

GO_PlenumKurze Bildungsmassnahmen, die direkt auf den Arbeitsplatz ausgerichtet sind, nutzen Mitarbeitenden und Betrieben gleichermassen und sie legen den Grundstein für die Weiterbildung von geringqualifizierten Mitarbeitenden im Unternehmen. Zehn Betriebe haben das GO Modell erfolgreich getestet. Entstanden ist eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. von Esther Derendinger

 Im Mittelpunkt der GO2 Tagung vom 23. Juni 2015 in Biel standen die Erfahrungen aus der betrieblichen Umsetzung des GO Modells in kleinen und mittleren Unternehmen. Am ersten Podiumsgespräch der Tagung berichteten drei VertreterInnen aus den Pilotbetrieben von ihren Erfahrungen mit dem GO Modell. «Es zeigten sich rasch Verbesserungen am Arbeitsplatz und im Betrieb», berichtete Myrtha Schuler von der Schwarz AG: «Wir beschäftigen MitarbeiterInnen aus bis zu 25 Nationen, da braucht es eine gemeinsame Sprache. In der Schwarz AG haben die TeilnehmerInnen der Bildungsmassnahme ihre betriebs- und arbeitsplatzspezifischen Deutschkenntnisse verbessert.“ Durch die gemeinsame Sprache habe sich das Arbeitsklima stark verbessert, erklärte Schuler weiter. Ein weiteres Plus sei, dass einige MitarbeiterInnen bereits besser qualifizierte Arbeiten ausüben. Bei der EMP SA in Tramelan nahmen die Mitarbeiterinnen der Qualitätssicherung an zwei Kursen teil: einerseits verbesserten sie ihre arbeitsplatzspezifischen Excel-Kenntnisse und andererseits ihre mathematischen Fähigkeiten. Die Vorgesetzten räumten den Teilnehmerinnen genug Zeit ein, das Erlernte in den Arbeitsalltag zu integrieren. So profitierten sie rasch von mehr Selbständigkeit in der täglichen Arbeit. Bei der Hallenbad AG Luzern setzte man bei der GO Bildungsmassnahme auf die interne Kommunikation. Alle BetriebsvertreterInnen waren sich einig: Gerade weil die Bildungsmassnahmen auf den Arbeitsalltag ausgerichtet waren, wurden sie von den Teilnehmenden so engagiert aufgenommen.

 

GO-CMVon der Idee zum Projekt
64 Prozent der Erwachsenen mit ungenügenden Grundkompetenzen stehen im Berufsleben. Mit der Idee, den Arbeitsplatz als Lernort zu nutzen, initiierte der Schweizerische Verband für Weiterbildung (SVEB) zusammen mit der Interkantonalen Konferenz für Weiterbildung (IKW) das Projekt GO. Gemeinsam mit Fachleuten aus Bildungsinstitutionen entwickelten die beiden Träger das GO Modell, mit dem der Lernbedarf der Mitarbeitenden im Bereich Grundkompetenzen am Arbeitsplatz ermittelt und umgesetzt wird. «Um den Bildungsbedarf zu erheben, beobachten wir die Mitarbeitenden am Arbeitsplatz und führen mit ihnen und den Vorgesetzten Gespräche. So sehen wir, wo die Schwierigkeiten im Arbeitsalltag liegen», erklärte Cäcilia Märki, Leiterin Grundkompetenzen beim SVEB, in ihrem Einführungsreferat. Sie ergänzte: «Manchmal fehlt das arbeitsplatzspezifische Vokabular oder sie können ein Formular nicht korrekt ausfüllen. An solchen Aufgaben arbeiten die Mitarbeitenden in den Kursen und setzen das neu Gelernte am Arbeitsplatz um.» So auch in der Hallenbad AG Luzern, bestätigt Stefan Schlatter: «Der Planungsaufwand war gross, aber er hat sich gelohnt. Die Kurse haben das Selbstvertrauen unserer Mitarbeitenden gestärkt, sie sind motivierter und dadurch leistungsbereiter. Das haben sogar unsere Kunden bemerkt – das beste Feedback überhaupt.»

 

Herausforderung Lernkooperationen
In der zweiten Projektphase von GO stellten sich drei Bildungsinstitutionen der Herausforderung «Lernkooperation». Im gleichnamigen Workshop berichteten die VertreterInnen von ihren Erfahrungen. «Wir haben jeden Kleinstbetrieb besucht um die Anforderungen an den Arbeitsplätzen kennen zu lernen. Das war zeitintensiv», erzählt Olivia Walther von ECAP Basel. In den Kleinbasler Betrieben, z.B. in den Imbissgeschäften, kaufte das GO Team selbst ein und eruierte gleichzeitig die grössten Schwierigkeiten der Betriebsinhaber im Umgang mit ihren Kunden. «Wir mussten uns an den Betriebsablauf anpassen, um das Geschäft nicht zu stören und Vertrauen aufzubauen», erklärte Walther und ergänzt: «Viele Bedürfnisse erkannten wir erst während der Bildungsmassnahme». Eine rollende Kursplanung war auch bei der Lernkooperation mit drei Betriebsrestaurants der SV Group unabdingbar, erzählte Ursula Schwager von ihren Herausforderungen. «Dies verlangte viel Flexibilität von den Kursleitenden – es war Barfussdidaktik», schloss sie. Obwohl die Teilnehmenden die Bildungsmassnahmen sehr positiv bewerteten, sich die überbetriebliche Zusammenarbeit verbesserte und sie gerne weitere Kurse besuchen würden, werden sich Lernkooperationen in der Praxis ohne öffentliche Unterstützung nicht durchsetzen. Die Ressourcen der Klein- und Kleinstbetriebe lassen dies nicht zu. 57 Prozent der Beschäftigten mit geringen Grundkompetenzen arbeiten jedoch in diesem Segment.

 

Die öffentliche Hand ist gefordert
Die Pilote zeigten: GO hat sich bewährt. Damit das Modell auch in Zukunft genutzt wird, braucht es zum einen bei den Weiterbildungsanbietern die Bereitschaft, ihre traditionelle Angebotspalette um arbeitsplatzorientierte Angebote zu erweitern. Zum andern sind auch Bund und Kantone gefordert: Am Nachmittag diskutierten die Teilnehmenden, wie es um die Förderung der Grundkompetenzen in den Kantonen steht und welche Umsetzungsperspektiven das Weiterbildungsgesetz für die betriebliche Förderung der Grundkompetenzen eröffnet. Best practice gab es im dritten Workshop des Nachmittags von Karin Zirkelbach, Zukunftsbau Berlin zur arbeitsplatzorientierten Förderung der Grundkompetenzen in Deutschland.

Den Schlusspunkt der Tagung setzte die Podiumsdiskussion zum Potential arbeitsplatzorientierter Förderung der Grundkompetenzen im Rahmen des WeBiG. Die Podiumsgäste Christof Spöring, Kanton Luzern, Bruno Weber, Travail.Suisse, Ueli Büchi, Schweizerischer Baumeisterverband SBV, und Bernhard Grämiger, SVEB, waren sich einig: GO zeigt Wirkung. Bis sich das Modell aber durchsetzt, muss es erst in den Kantonen bekannt gemacht werden. Nötig ist auch der Einbezug der Organisationen der Arbeitswelt (OdA) und der Arbeitgeberverbände, denn diese fokussieren fast nur auf die Berufsbildung. «Vom Bund erwarten wir eine Anschubfinanzierung und Unterstützung via Kantone», erklärte Ueli Büchi. Solange der Bund jedoch keine finanziellen Mittel stelle, würden die Kantone ihre eigenen Ziele verfolgen. Damit dies nicht geschehe, müsse der Bund nun eine stärkere Koordinationsfunktion übernehmen und bei der Förderung der Grundkompetenzen als Antreiber und Impulsgeber agieren, damit auch die Kantone nachzögen, forderte Bernhard Grämiger.

SVEB-Präsident Matthias Aebischer betonte in seiner Rede, dass es von der öffentlichen Hand eine neue Förderstruktur im Bereich Grundkompetenzen mit ausreichenden finanziellen Mitteln braucht, welche auch die Finanzierung von GO Angeboten mit einschliesst. Mit dem Weiterbildungsgesetz wurde dafür eine gute Grundlage geschaffen.An der Tagung nahmen rund 75 AkteurInnen aus Bildung, Politik und Wirtschaft teil. Moderiert wurde der Anlass von Hala Helmy, SVEB.

Alle Projektinformationen: www.alice.ch/go2

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